Malen vor dem Lesen: Wie Bilder den Wortschatz öffnen
Kreative KidsHeute ist Weltalphabetisierungstag. Für Familien mit kleinen Kindern klingt das nach einem Thema für später – Lesen kommt schließlich erst in der Schule. Der Weg dorthin beginnt aber deutlich früher, und er führt selten direkt über Buchstaben.
Warum Kinder über Bilder mehr erzählen
Ein Text gibt vor, was passiert. Ein Bild lässt offen, was passiert ist und was als Nächstes kommt. Genau diese Lücke füllen Kinder mit Sprache – und zwar mit eigener, nicht mit nachgesprochener.
Wer ein Kind fragt, was in einem Bild gerade geschieht, bekommt fast immer mehr Sätze als auf die Frage, wie ein Buch war.
Was beim Malen zusätzlich passiert
Beim Selbermalen kommt ein zweiter Effekt dazu: Das Kind entscheidet über den Inhalt. Es hat also etwas zu erzählen, was nur es kennt. Diese Situation – ich weiß etwas, das du nicht weißt – ist einer der stärksten Sprachanlässe überhaupt.
Drei Fragen, die Gespräche öffnen
Statt „Was ist das?“
Diese Frage lässt sich mit einem Wort beantworten. Besser: „Was macht die gerade?“ – erzwingt ein Verb und meistens einen ganzen Satz.
Statt „Schön!“
Lob beendet Gespräche. Besser: „Wie geht es weiter?“ – lädt zu einer Geschichte ein.
Statt „Warum hast du das blau gemalt?“
Warum-Fragen wirken wie eine Prüfung. Besser: „Wo ist das?“ – Ortsangaben bringen Präpositionen ins Spiel, die viele Kinder selten benutzen.
Märchenmotive als Gesprächsanlass
Motive mit erzählbarem Inhalt funktionieren hier besser als abstrakte Muster. Bei einer Figur in einer Landschaft gibt es etwas zu erzählen; bei einem Muster nicht. Das Aquarell-Set „Märchenhafter Traum“ bietet solche Szenen – jede Seite ist im Grunde ein Anfang, den das Kind zu Ende erzählen kann.
Für mehrsprachige Familien
Bilder brauchen keine gemeinsame Sprache. Ein Kind, das zu Hause Türkisch spricht und in der Kita Deutsch, kann dasselbe Bild in beiden Sprachen erzählen – und merkt dabei selbst, wo ihm Wörter fehlen. Das ist wertvoller als jede Korrektur.